Gedenken an Sepp Grill

Zum 90 Geburtstag von Sepp Grill
SPD Hausham

Zum Gedenken an Sepp Grill

Der Haushamer Ortsverein trauert um Sepp Grill seinem langjährigem Mitglied und ehemaligen 1. Vorsitzenden.

Auf Anraten von Anton Weilmeier (" Sepp wennst was bewegen woist ,muaßt in die Partei")trat Sepp Grill am 01.01.1967 in den Ortsverein Hausham ein. 1972 wurde Sepp in den Gemeinderat Hausham gewählt und war dort 25 Jahre für die Bürger unseres Ort tätig. In der Zeit von 1995 bis 2007 war er erster Vorsitzender der SPD in Hausham. In dieser Zeit organisierte Sepp das hundertjährige Bestehen unseres Ortsvereins, welches mit einer großen Ausstellung im Bürgersaal zu erleben war. Ein besonderes Anliegen blieb Ihm immer die soziale Gerechtigkeit im Ort, anständige Wohnungen für die Bergleute, der Zusammenhalt der Vereine besonders im Sport und der Jugendarbeit.

Wir werden Sepp Grill immer ein ehrendes Andenken bewahren.

Trauerrede von Karl Heinz Eisfeld

Liebe Gundi, liebe Andrea und lieber Hartmut, lieber Roman und liebe Nathalie, liebe Kinder und Kindeskinder der großen Familie Grill; liebe Trauergemeinde!

Der Sepp ist nicht mehr da.

Wir werden in Zukunft nicht mehr auf seinen Rat zählen können, aber wir können aus der Erinnerung sein Vorbild auf unsere Lebensweise wirken las-sen. Wir werden verzichten müssen auf seinen Humor, seine Herzenswärme, sei-ne Heimatverbundenheit und seine Weltoffenheit, von seinem Rat in vielen Lebenslagen ganz zu schweigen. Und noch etwas wird uns fehlen: Er hatte Freude an Menschen und er lebte diese Freude an Menschen so, dass er selbst zur Freude für andere wurde.

Sein Sohn, der Roman hat uns in seiner Trauerrede noch mal teilhaben las-sen an wichtigen Begebenheiten und Stufen im Leben vom Sepp. Das hat gut getan für alle, die ihn ein Leben lang begleiten durften, gut ge-tan auch für die, wie mich, die zumindest einen Teil dieser Lebensstrecke mit ihm gehen durften.

Es tut aber zugleich weh, weil diese Zeit und Form des Zusammenseins vor knapp zwei Wochen zu Ende gegangen ist. Ich sage bewusst, „diese Form des Zusammenseins“, denn in anderer Weise werden wir mit dem Sepp zu-sammen-, zumindest auf immer verbunden bleiben. Es ist die Musik – der Ruf der Bläser, das vom Band eingespielte Lied, der Haushamer Bergwachtgsang – die uns traurig machen, den Schmerz noch mal besonders spüren lassen. Sie, die Musik, gibt uns aber auch Hoffnung und Kraft, eine Brücke zu bauen für die Zeit danach.

Als ich die Todesanzeige im Merkur lesen musste, sind mir sofort die gut zwei Jahrzehnte durch den Kopf gegangen, die ich mit dem Sepp zusammen in und für Hausham wirken durfte – in der Haushamer Volkshochschule und in der Haushamer SPD. Aus dieser Erfahrung, dieser Perspektive heraus möchte ich die besondere Persönlichkeit würdigen, wie ich sie erlebt habe, wie ich mich auf ihn besinn‘. Es ist mir eine große Ehre, das tun zu dürfen: - Was hat seine Haltung geprägt? - Wie hat er seine Haltung gelebt? - Was hat er uns – von dieser seiner Haltung ausgehend – hinterlassen?

Was seine Haltung geprägt hat.

„Wissen ist Macht.“ Diesen Spruch brachte Wilhelm Liebknecht, einer der Gründerväter der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) vor cir-ca 150 Jahren in den politischen Diskurs ein. Dahinter stand und steht die Erkenntnis, dass neben vielem Anderen oft das Wissen, die Bildung darüber entscheidet, welchen Platz wir in der Gesellschaft finden und wie wir ande-rerseits auf sie einwirken können. Die Chancen für gute Bildung sicherzu-stellen – von Anfang an und ein Leben lang – wurde damit zu einem Kernan-liegen sozialdemokratischer gemeinwohlorientierter Daseinsvorsorge.

Mit seinem Engagement in der Gewerkschaft, in der SPD und in der Volks-hochschule hat sich der Sepp in den Dienst dieser Aufgabe gestellt.

Auch ein anderes „Ordnungssystem“ oder sollte ich besser sagen Wertever-ständnis eignet sich in besondere Weise für die Charakterisierung von Sepps politischer und das heißt für ihn menschlicher Haltung: die katholi-sche Soziallehre mit ihren Grundprinzipien Subsidiarität, Solidarität und Personalität.

Das Prinzip der Subsidiarität fordert uns heraus, Gutes im Kleinen, im en-geren Umfeld zu tun, wenn das möglich ist und die große Gemeinschaften in die Pflicht zu nehmen, wenn die kleinere Einheit überfordert ist. In Sepps Jahrzehnte langem politischen, vor allem kommunalpolitischen Engagement hat sich das niedergeschlagen.

Das Solidaritätsprinzip, letztlich aus der christlichen Tugend der Nächstenliebe abgeleitet, erfordert Rücksichtnahme und Hilfestellung für die, die es allein nicht schaffen. „und wer in seinem Leben barmherzig ge-wesen ist“ hat uns der Haushamer Bergwachtgsang in seinem Lied „Geh Bri-ader, wisst’s es“ gerade vorgesungen.

Das Prinzip der Personalität schließlich geht von der Einmaligkeit jedes Menschen aus und von der Notwendigkeit, durch gemeinwohlorientierte An-gebote und Leistungen zur Entfaltung jedes Einzelnen beizutragen, womit sich der Kreis zur oben erwähnten Daseinsvorsorge durch Bildung schließt.

Ich bin mir nicht sicher, ob der Sepp das genau so beschrieben hätte. Danach gelebt und gehandelt hat er auf alle Fälle.

Wie er seine Haltung gelebt hat.

„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ Von Erich Kästner stammt dieses Epigramm, dieser Sinnspruch. Sepp Grill hat danach gehandelt.

Da ist zum einen die aus dem bisher Gesagten bereits erkennbare Breit-schaft immer, ja wirklich immer da zu sein, wenn Hilfsleistung vonnöten war. Viele Haushamer*innen im engeren und weiteren Umfeld und nicht nur die können und werden das gerne bestätigen.

Zum anderen ist mir seine uneitle Breitschaft in Erinnerung geblieben, überall dort zu helfen, wo Not am Mann (oder an der Frau) war: sich vorne hinzustellen, wenn Position zu beziehen, wenn Führungsverantwortung ge-fordert war, sich aber auch unterstützend in der zweiten Reihe einzubrin-gen, wenn das der Sache mehr zu dienen schien. Von dieser seiner Bereit-schaft zu dienen – um der Sache willen – kann ich selbst beredt Zeugnis ab-legen. Mit dem Sepp im Team warst du nicht auf dich allein gestellt, nie verlassen.

Besondere Entschlossenheit hat er auch stets gezeigt, wenn es galt, Enttäu-schen zu verarbeiten, Niederschläge wegzustecken und unverdrossen neu anzupacken. Diese schon immer gezeigte Kraft war es offensichtlich auch, die ihm in den letzten zehn Jahren geholfen hat, sein Leben mit Einschrän-kungen selbst zu gestalten und bewusst zu genießen, trotz alledem. „Er hat gern gelebt“, hat es der Roman zusammengefasst; ich bin überzeugt, dass ihn Familie und Angehörige dabei unterstützt haben.

Die oben erwähnte, wenn ich es so bezeichnen darf, „Stehauf-Manndl- Qua-lität“ – wir würden heute wohl von Resilienz sprechen – hat er nicht nur für sich behalten, sondern er hat auch andere daran teilhaben lassen, wenn es gemeinsam galt: Mund abwischen, weitermachen!

„Wer nicht genießen kann, ist ungenießbar“, hat Konstantin Wecker einst gesungen. Sepp Grill konnte es sich auch gutgehen lassen, die schönen Dinge des Lebens wahrnehmen und annehmen. So, gut gestimmt, konnte er dieses Gefühl der Freude, des Genusses auch an andere weitergeben, mit anderen teilen; er war im bestens Wecker’schen Sinne genießbar.

Was uns bleiben wird: seine Hinterlassenschaft.

„Ein ehrenvolles Gedenken bewahren“, das ist es, was wir uns vornehmen, wenn wir von einer außerordentlichen, „unverwechselbaren und hochge-schätzten Persönlichkeit“ Abschied nehmen. Bürgermeister Zangenfeind hat das in der Traueranzeige für die Gemeinde Hausham bekundet. Wer zu-künftig die Geschichte Haushams erzählt, wird an vielen Stellen auf Sepps Wirken stoßen.

Mir hat sich noch etwas Anderes ganz besonders eingeprägt: Sepps offe-nes herzliches Lächeln. Wenn ich die Augen zumache, ist er da: dieser einladende zugewandte Blick. Ich kann mich an keine Situation erinnern, bei der mir der Sepp signalisiert hatte oder hätte, ich käme ungelegen. In einem Telefonat hat mir auch Thomas Danzer diesen Eindruck bestätigt. „Er war immer da“, so brachte der Thomas seine Erinnerung an den Sepp spontan auf den Punkt.

Zur rechten Zeit war auch ein ruhiges Schmunzeln in sein Gesicht ge-huscht: Ausdruck innerer Ruhe und Zufriedenheit – zufrieden mit dem, was erreicht werden konnte, was ihn zufrieden, vielleicht sogar glücklich mach-te.

Und dann ist da noch so ein ganz besonderes Lächeln, sein verschmitztes Lächeln, das sich gar nicht so ohne Weiteres zuordnen lässt. In unserer bairischen Mundart habe ich deshalb nach einer passenden Beschreibung, dem richtigen Ausdruck gesucht und bin fündig geworden: „hinterkünftig“ könnte es treffen. Bringt dieses Lächeln doch einerseits eine grüblerische, vielleicht auch kritische Einschätzung zum Ausdruck, bleibt aber selbst im Zeifel, womöglich auch im Widerspruch liebevoll zugewandt.

An dieser, an Sepps „Hinterlassenschaft“ habe auch ich versucht, mich zu orientieren und will es fürderhin tun: erst mal offen lächelnd anderen be-gegnen, zufrieden lächelnd immer mal wieder zu sich finden, in sich ruhen und hintersinnig lächelnd Konflikte zwar nicht leugnen, aber mit Zuwendung und Respekt zum Miteinander-Auskommen beitragen.

Der Familie Grill ist in besonderer Weise gelungen, uns diesen menschlich lächelnden Sepp noch einmal in Erinnerung zu bringen und zu halten. Schaut Euch die Todesanzeige im Merkur vom Wochenende an. Da schaut er uns an der Sepp: offen, versonnen, verschmitzt lächelnd.

Sepp, pfüat di Gott!